Virtual Medicine: Leben retten dank Virtueller Realität

Virtual Reality

24 Nov Virtual Medicine: Leben retten dank Virtueller Realität

Kaum eine Technologie erfährt aktuell soviel Resonanz und Zuspruch wie Virtual Reality, die virtuelle Welten erlebbar macht. Ob die Vorschusslorbeeren gerecht sind, wird die Zeit zeigen – etliche Anwendungsgebiete, besonders im Gesundheitswesen, deuten jetzt schon das enorme Potential an, das in der Verschmelzung von Computergrafiken mit der Realität liegen kann.

Was ist Virtual Reality?

VR, so die gängige Abkürzung, bezeichnet die durch Computer geschaffene Abbildung der Realität, in der sich Betrachter frei bewegen und interagieren können. Letztere erfolgt via Kopf- und Handbewegungen oder über Sprachbefehle. Jene Benutzereingaben sind es auch, die VR von herkömmlichen Computersituationen unterscheidet. So reagiert die Simulation auf jegliche Handlung. Der Benutzer bewegt sich innerhalb der Simulation, die ihm über eine Datenbrille präsentiert wird. Dreht sich beispielsweise der Betrachter, so reagiert auch die Simulation darauf und eröffnet ihm eine angepasste Perspektive.
Virtual Reality: Die Zukunft der Computernutzung

Anwendungen in der Medizin

Vordergründig mag man Virtual Reality hauptsächlich mit der Anwendung in der Unterhaltungsindustrie verbinden, bei genauerer Betrachtung könnten aber sämtliche Lebensbereiche durch die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten bereichert werden. Nicht zuletzt auch die Medizin, die besonders im 21. Jahrhundert von moderner Computertechnologie profitierte und deren Einfluss laut Experten weiter zunehmen wird.

Übung macht den Meister: VR-Training

Medizinische Eingriffe wollen geübt sein. Sei es für angehende Ärzte oder zur Vorbereitung auf besonders komplizierte Eingriffe: Virtuelle Trainings bieten eine risikofreie Umgebung (im Fachjargon „Sandbox“ genannt), in der jeder Handgriff, Schnitt und Ablauf geübt werden kann. Die medizinische Universität Wien bietet Ärzten bereits ein so genanntes „Dry Lab“ an, in dem Methodik und Ablauf im virtuellen Raum praktiziert werden können.
Aber auch vermeintlich risikoarme medizinische Abläufe profitieren von VR. Das HapTEL bietet etwa Zahnärzten die Möglichkeit, verschiedene Situationen durchzuspielen. Der Clou am dieser Technik: Der VR-Simulator liefert haptisches Feedback, so dass auch Aspekte wie Drucksensibilität erfahren und erlernen können.

Therapiemöglichkeiten bei Traumata & Phobien

Dass nicht nur Ärzte von den technologischen Innovationen profitieren, zeigen auch Ansätze der Anwendung in der Psychotherapie. Hier wird VR zur Trauma-Therapie eingesetzt oder bei der Behandlung von Phobien verwendet, um die Wechselbeziehung zwischen Patienten und seinem Umfeld zu beobachten und aufzuzeichnen.
Virtual Reality zur Phobie-Therapie

Virtual Reality zur Phobie-Therapie (©IgnisVR.com)

Leidet beispielsweise ein Patient an Arachnophobie, den quälenden Angstzuständen beim Anblick und der Konfrontation mit Spinnen, wird der Patient mithilfe einer VR-Brille mit virtuellen Spinnen konfrontiert. So kann das Stress-Level auf Knopfdruck reguliert und analysiert werden. Im Gegensatz zur realen Konfrontation hilft dem Patienten hierbei die Gewissheit, dass es sich nur um eine virtuelle Umgebung handelt.  Experten bescheinigen dieser Methode zudem eine bessere Lernerfahrung.

Telemedizin

Auch für das essentielle Arzt-Patientien-Verhältnis kann VR-Technologie Veränderungen mit sich bringen. Ärztemangel und eine zunehmende Konzentration der medizinischen Leistungen in Ballungsräumen bei gleichzeitiger Landflucht könnte durch virtuelle Sprechstunden und der einfachen Kommunikation mit Ärzten über Internet und VR entgegen gewirkt werden.

Chirurgie & Diagnostik vereint: Operationen mit Virtual Reality

Gerade bei sensiblen Eingriffen bedarf es umfangreicher Vorbereitungen, aber auch einer bis kleinsten Detail verfügbaren Datenlage, um das Wohl des Patienten zu jedem Zeitpunkt des Eingriffs zu gewährleisten. Hier kann Virtual Reality zwei vormals getrennte Bereiche verbinden. Musste der Chirurg ehemals den Blick heben, um Röntgenbilder und anderen bilddiagnostische Bilder anzusehen, so überlagert eine VR-/AR-Datenbrille das Röntgenbild mit einer Live-Ansicht und gewährt so bis dato nicht geahnte Einblicke ohne Ablenkungen.

Virtuelle OP

Virtuelle Operationen könnten schon bald Realität sein (©Berliner-Zeitung.de)

Aber Virtual Reality wäre nicht die bahnbrechende Technologie, wenn sie nicht noch einen Schritt weitergehen würde. Die Überlagerung lässt sich beliebig steuern, so dass durch verschiedene Gewebeschichten situativ angepasste Informationen angezeigt werden können. Ähnlich einem Autopilot können zudem Schnitte und Handgriffe als Leitfaden eingeblendet werden, um den Chirurgen zu unterstützen.

Nachteile, Skepsis und Kritik?

Wie bei jeder technischen Innovation werden etablierte Anwendungsmuster umgewälzt, und so manche Änderung birgt Gefahren und Risiken. Technische Unzulänglichkeiten, unausgereifte Systeme, aber auch die zunehmende Separation von Arzt und Patient werden von Kritikern bemängelt. Bis die Technologie gänzlich ausgereift ist, wird es noch ein wenig dauern – was uns dann aber erwartet, könnte unsere kühnsten Vorstellungen übersteigen.

 

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