Das Patientengespräch: Kommunikation auf Augenhöhe

Arzt-Patient-Patientengespräch

01 Dez Das Patientengespräch: Kommunikation auf Augenhöhe

Ein gutes Verhältnis zwischen Arzt und Patient und eine Kommunikation auf Augenhöhe sind für den Genesungsverlauf entscheidend. Mit diesen Tipps wird das nächste Patientengespräch ein Erfolg.

„Fünf Minuten sind ausreichend. Aber in dieser kurzen Zeit muss der Arzt nicht nur körperlich, sondern auch psychisch präsent sein, seine Aufmerksamkeit muss ganz dem Patienten gehören.“
– Michael Balint, Psychoanalytiker

Ein gutes Gespräch kann heilen. Dieser Ansatz zumindest legitimiert Disziplinen wie die Psychotherapie. Doch kann umgekehrt ein schlechtes Gespräch auch krank machen?

Durchschnittlich 140.000 bis 160.000 Patientengespräche hat ein Arzt nach 40 Dienstjahren im Gesundheitswesen hinter sich. Ein großes Ausmaß, wenn man bedenkt, dass ein jedes Gespräch analytisches Geschick vom Arzt erfordert. Denn während im Büroalltag ein Moment der Unachtsamkeit eher selten mit weitgreifenden Konsequenzen einhergeht, kann er im medizinischen Patientengespräch sogar über Leben und Tod entscheiden. Gleichwohl ist vom Mediziner in einem Gesprächsverlauf aber nicht nur medizinische, sondern auch psychosoziale sowie sprachlich kommunikative Kompetenz verlangt. Denn ein Arzt, der seinem Patienten kein Gehör schenkt, gefährdet nicht nur die Beziehung zu diesem, sondern auf lange Sicht auch seine Gesundheit.

Kommunikation ist alles!

Dennoch kommt es in klassischen Gesprächssituationen immer wieder zu Missverständnissen. Wie viele Patienten kennen wahrscheinlich auch Sie das Gefühl fehlender Wertschätzung, das bei einem Praxisbesuch manchmal aufkommt. Schon die Ordinationsassistenz kann zur allgemeinen Verunsicherung beitragen, wenn sie dem Patienten trotz akuter Schmerzen keinen zeitgerechten Termin anbietet. Im schlimmsten Fall setzt sich der unbefriedigende Gesprächsverlauf bei der Patientensprechstunde fort. Da der Arzt in einer fehlerfreien Kommunikationssituation sowohl zuhören, verstehen, informieren als auch diagnostizieren muss, kommt die persönliche Ebene manchmal zu kurz. Für Verständnis, Trost und Empathie bleibt im hektischen Medizinbetrieb keine Zeit. Folglich fühlt sich der Patient unverstanden, wodurch der Therapieerfolg gefährdet ist. Denn unter einem mangelhaften Dialog auf allen Ebenen leidet nicht nur die Beziehung zwischen Arzt und Patient, sondern in weiterer Folge auch der Genesungsprozess.

Beziehung Arzt und Patient

Doch kann es durch eine schlechte Beziehung zwischen Arzt und Patient tatsächlich zu einer Gefährdung des Heilungsprozesses kommen? Ja! Die Antwort dafür liegt in der sogenannten „Compliance“. Der Begriff „Compliance“, oder auch „Komplianz“, umschreibt das Kooperationsverhalten des Patienten während der Therapie. Es mag paradox klingen, doch kommt es bei manchen Patienten mitunter zu einer Verweigerung der vom Arzt empfohlenen Behandlungsmethode. Vielleicht haben auch Sie schon ein vom Arzt verordnetes Medikament verschmäht, weil Sie es als nicht angemessen empfunden haben? Womöglich hat man Ihnen ein synthetisches Mittel verschrieben, obwohl Sie doch Ihre Aversion gegen jede Chemie betont haben? Vielleicht verstehen Sie aber auch einfach nicht, warum man Ihnen ein bestimmtes Mittel zugetragen hat, und verweigern aufgrund von Unsicherheit und Unverständnis die Einnahme ganz? Auch wenn es also auf den ersten Blick nicht nachvollziehbar erscheinen mag, so kann ein auf Differenzen beruhendes Gespräch gesundheitsschädigende Konsequenzen nach sich ziehen.

Damit es gar nicht erst zu einem schlechten Verhältnis zwischen Arzt und Patient kommt, arbeitet die Medizinwissenschaft auch im Bereich Kommunikation laufend an ihrer Fortschrittlichkeit. Während an der Columbia University zum Beispiel schon narrative Medizin gelehrt wird, vermittelt in Österreich Kommunikationsexperte Maximilian Gottschlich ein ethisch wertvolles Kommunikationsmodell. Das HANSA Privatklinikum versucht im Medizinalltag nachhaltige Kommunikation zu fördern. So können schon minimale Maßnahmen, wie ein paar Minuten mehr zum Zuhören oder verkürzte Wartezeiten bei der Aufnahme einen ausschlaggebenden Unterschied in der wertschätzenden Wahrnehmung ausmachen. Sensiblen Themen widmen sich die Mitarbeiter des HANSA Privatklinikums mit besonderer Empathie. So sind die Anästhesisten schon vor der Narkose und dem eigentlichen Eingriff darum bemüht, den Patienten die Angst zu nehmen. Und auch individuelle Beratung zum Thema Schmerzfreiheit ist dem Klinikpersonal bei jedem Patienten ein Anliegen. Prägend für die Patientenphilosophie ist im HANSA Klinikum der pointierte Leitsatz:

 „Charakter ist Talent minus Eitelkeit.“

Checkliste Arztbesuch

 Checkliste für ein gelungenes Patientengespräch

Damit Sie auch in Zukunft sichergehen können, dass Ihr Gespräch sich auf einer soliden Basis bewegt und sowohl Ihre als auch die Anliegen des Arztes zur Sprache kommen, haben wir eine kurze Checkliste für ein gelungenes Gespräch zwischen Arzt und Patient für Sie zusammengestellt:

  • Zeit: Durchschnittlich bringt ein Arzt etwa sechs Minuten für ein Patientengespräch auf. Je nach Anliegen und Gesprächsbedarf können es aber auch bis zu zehn Minuten sein. Als Indikator für ein erfolgreiches Gespräch kann die Antwort auf die Frage gelten: Habe ich alle Informationen bekommen, die ich brauche um in meinem Genesungsprozess voranzuschreiten?
  • Situation: Bereiten Sie sich gut auf das Gespräch vor, um die Zeit effizient zu nutzen. Legen Sie sich Ihre wesentlichen Fragen schon vor dem Gespräch zurecht und halten Sie außerdem alle wesentlichen Unterlagen griffbereit. So können Sie sich im Dialog auf das Wesentliche konzentrieren.
  • Vertrauen: Vertrauen Sie auf die Expertise Ihres Arztes anstatt auf die Diagnose durch Dr. Google. Fehlendes Vertrauen kann fatale Folgen haben. Wer dem Arzt aufgrund von Scham oder gar Abneigung wesentliche Informationen vorenthält, kann seine eigene Gesundheit dadurch gefährden. Sollten Sie Zweifel an der Diagnose haben, so holen Sie eine zweite Meinung von einem weiteren Facharzt ein. Keinesfalls aber sollten Sie aufgrund fehlenden Vertrauens gänzlich auf eine Klärung des Sachverhalts verzichten. Vermeidendes Verhalten schadet nur Ihnen selbst.
  • Verständnis: Wenn Sie sich unverstanden fühlen oder dem Fachjargon des Arztes nicht folgen können, so sprechen Sie Ihre Bedenken unbedingt aus! Für eine erfolgversprechende Behandlung ist gegenseitiges Verständnis essentiell.
  • Dialog: Ein gutes Gespräch zwischen Arzt und Patient fußt auf Gegenseitigkeit. Bei einer Konsultation soll es sich nicht um eine Befragung, sondern um einen Dialog handeln. Versuchen Sie Ihre Bedenken zum Ausdruck zu bringen und Ihr Anliegen allumfassend auszudrücken. Ein guter Arzt wird trotz Zeitmangels versuchen Ihnen zuzuhören. Sollten Sie sich generell unverstanden oder ungehört fühlen, so sollten Sie womöglich einen Arztwechsel in Erwägung ziehen.

Einblick in unsere Kommunikationspraxis erhalten Sie auch in unserem Patientenfeedback

Welche Erfahrungen haben Sie in der Kommunikation zwischen Arzt und Patient schon gemacht? Teilen Sie Ihre Erfahrungen mit uns und helfen Sie uns, unseren Service laufend weiter zu verbessern.

 

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