Prothesen: Wenn die Zukunft laufen lernt – Medizinische Wunder (8)

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25 Nov Prothesen: Wenn die Zukunft laufen lernt – Medizinische Wunder (8)

Aus simplen Holzstümpfen der Vergangenheit sind heute raffinierte Hightech-Konstruktionen geworden. Die Rede ist von Prothesen, einem weiteren medizinischen Wunder unserer Serie. Die Zukunft der Prothesen-Entwicklung ist vielversprechend: Die Wissenschaft erhofft sich Konstrukte, die mit reiner Gedankenkraft steuerbar sind. Der Weg, den Prothesen bisher zurückgelegt haben, reicht von Mumien bis ins Mittelalter und in die heutige Zeit der Innovation.

Im Laufe eines Tages kommt eine Hand mit vielen Dingen in Berührung. Morgens bei der Kaffeezubereitung, tagsüber beim Tippen auf der Tastatur, abends beim Putzen der Zähne. Die Hand ist das Mittel zu Gefühl und Nähe, der Ausdruck von Haltbarkeit und Zutraulichkeit. Für viele Menschen bedeutet eine Hand aber mehr als ihre Funktion. Die Stelle, an der früher einst die Hand war, erinnert womöglich an einen tragischen Unfall, eine Verletzung oder Krankheit. Nach einer Amputation verändert sich das Leben von Grund auf.

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Hände sind ein Symbol der Unabhängigkeit. Prothesen ermöglichen auch nach Amputationen noch Selbstständigkeit für ein „normales“ Leben.

Und das betrifft nicht nur Hände – auch komplette Arme, Beine oder andere Körperteile können betroffen sein. Wichtig ist, dass Sie im Ernstfall in den richtigen Händen sind. Fachliches Know-how ist dabei eine Selbstverständlichkeit, psychologische Kompetenzen unerlässlich.

Von Mumien & Mittelalter

Schon seit mehreren Jahrtausenden versucht der Mensch, abgetrennte Körperteile zu ersetzen. Die älteste Prothese, die bisher gefunden wurde, ist stolze 3500 Jahre alt. Archäologen entdeckten sie an der Mumie einer etwa 50 Jahre alten Frau. Einige Jahre später, im Mittelalter, war eine einfache Holzstelze üblich. Die Patienten knieten praktisch in dieser Stelze, der Stumpf wurde dabei nach hinten weggebunden. Für Wohlhabende gab es im 16. Jahrhundert neben den Stelzen auch schon erste Prothesenkonstruktionen.

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Prothesen sind ein wahres medizinisches Wunder. Nach Schicksalsschlägen sind sie oft die einzige Möglichkeit für Betroffene wieder ins Leben zurückzukehren.

Sie hatten einen gefederten Prothesenfuß und ein bewegliches Kniegelenk. Heute unvorstellbar, aber Amputationen wurden damals ohne Betäubung vorgenommen. Die medizinische Narkose, wie ihr Einsatz heute üblich für Amputationen ist, gibt es erst seit 1846. Nach dem Ersten Weltkrieg stand die Prothetik erneut vor einer riesigen Herausforderung. Nie zuvor war es notwendig, so viele Amputierte in kürzester Zeit zu versorgen. In den 1920er Jahren begannen Experten, Prothesen nach wissenschaftlichen Kriterien zu bauen. Seit 1982 können die Mediziner sogar das komplette Herz ersetzen. Die medizinischen Entwicklungen sind auch seit diesem Zeitpunkt mit großen Schritten vorangekommen.

Die Kraft der Gedanken

Doch die Visionen der Wissenschaft gehen noch deutlich weiter. Bei Querschnittsgelähmten kommen keine Nervenimpulse mehr in den Gliedmaßen an – und selbst für diese Fälle soll es innovative Lösungen geben. Für Betroffene wäre es sinnvoll, wenn sie eine Prothese direkt mit ihren Gedanken dirigieren könnten. Was für die meisten nach Science-Fiction klingt, ist für fast 100 Forschergruppen auf der ganzen Welt eines der größten Ziele in der Medizingeschichte.

 

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