Die Bedeutung von Antibiotika – Medizinische Wunder (7)

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17 Nov Die Bedeutung von Antibiotika – Medizinische Wunder (7)

Im siebten Teil unserer Serie lernen wir eine weitere zufällige Entdeckung kennen, die Geschichte geschrieben und so einiges verändert hat: Penicillin. Der erste erforschte Wirkstoff der Antibiotika, der auch heute noch als wichtigstes Mittel zur Bekämpfung von Infektionen gilt.

Als eigentlicher Entdecker des Penicillins und somit des Antibiotikums gilt der Schotte Alexander Fleming (1881-1955). Dass er in Medizinerkreisen später zu einer Schlüsselfigur werden sollte, war nicht von Beginn an offensichtlich. Er war erst in einem ganz anderen Bereich tätig, bevor er über Umwege und gute Verbindungen sein Medizinstudium von 1902 bis 1906 an der Medical School des St. Mary’s Hospital in London absolvieren konnte. Nach seinem Abschluss blieb Fleming als Mitarbeiter am Institut und machte sich einen Namen als Spezialist für Infektionskrankheiten. Als er im Jahr 1928 mit Staphylokokken (krankheitserregende Bakterien, die unter anderem auch Lungenentzündungen auslösen) experimentierte, stellte er fest, dass eine seiner Bakterienkulturen von einem Schimmelpilz befallen war. Als der Wissenschaftler gerade im Begriff war, die Petrischale wegzuwerfen, fiel ihm auf, dass sich überall dort, wo Pilze in der Schale waren, keine Bakterien befanden.

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Auf einer von Flemings Bakterienkulturen hatte sich Schimmel gebildet. Doch bevor er die Petrischale wegwarf, entdeckte er eine Besonderheit.

Dieser Umstand interessierte ihn brennend und er begann weitere Forschung auf diesem Gebiet. Beobachtet hatten dies schon einige vor ihm, allerdings schaffte es bis dahin niemand, den Hintergründen auf die Spur zu kommen. Fleming fand heraus, dass der Pilz eine für viele Bakterien tödliche Substanz produziert, die er „Penicillin“ nannte – abgeleitet von der Gattung Penicillium, welcher der Schimmelpilz angehört. Die Erkenntnis, dass Penicillin eine besonders starke Wirkung bei eitererregenden Bakterien zeigt, hilft uns auch heute noch bei Infektionen unterschiedlichster Arten, doch damals konnte Alexander Fleming kaum jemanden für seine Forschungsergebnisse begeistern. Denn trotz des Wissens um die Wirkung, konnte er das Stoffwechselprodukt des Pilzes nicht extrahieren, um es für Medikamente einzusetzen.

Die erste Behandlung mit einem Antibiotikum

Erst zehn Jahre später gelang dies dem aus Deutschland stammenden Chemiker und Physiologen Ernst Boris Chain (1906-1979) und dem in Australien geborenen Mediziner Howard Walter Florey (1898-1968). Als Florey eine leitende Position in der Schule für Pathologie der Oxford University bekam, begann er, ein Team kluger Wissenschaftler zusammenzustellen. Darunter auch Chain, der 1933 vor den Nationalsozialisten nach England floh. In Floreys Forschungsteam war er ursprünglich für den Aufbau einer biochemischen Abteilung zuständig. Gemeinsam schafften es Chain und Florey dann 1939, das Penicillin aus der Kulturflüssigkeit zu extrahieren, in der die Pilze gezüchtet wurden.

Es folgten Tierversuche an Ratten, mit denen die Beiden eindeutig die Wirkung des Antibiotikums bestätigen konnten. 1941 wurde der erste Mensch damit behandelt. Der Londoner hatte sich beim Rasieren geschnitten und sich somit eine Blutvergiftung zugezogen. Mit Antibiotika-Behandlung ging es ihm erst deutlich besser, er verstarb dann aber dennoch, da die Vorräte des Penicillins aufgebraucht waren – die Herstellung des Wundermittels war damals sehr aufwendig und teuer.

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Die Extraktion des Wirkstoffes Penicillin gelang erst zehn Jahre nach seiner Entdeckung.

Im 2. Weltkrieg nutzten die Amerikaner die Entdeckung des Heilmittels zu ihrem Vorteil. Man fand eine Möglichkeit in kurzer Zeit viel davon zu produzieren, um die eigenen Soldaten zu versorgen. Viel mehr Menschen wären in diesem Krieg gestorben, wenn die Entdeckung des Penicillins nicht gewesen wäre. Ab 1945 konnten dann auch amerikanische Zivilisten das Medikament im Drugstore kaufen. 1945 war auch das Jahr, in dem die drei Wissenschaftler für ihre Entdeckung gewürdigt wurden – Fleming, Florey und Chain erhielten den Nobelpreis für Medizin.

Antibiotika heute

Heutzutage ist die Begeisterung über Antibiotika im Allgemeinen nicht mehr ganz so hoch, denn das Medikament greift nicht nur jene Bakterien an, die wir bekämpfen wollen, sondern auch die guten, die uns unter anderem auch helfen Krankheiten abzuwehren. Im Normalfall erholt sich der Körper wieder gut von einer Antibiotika-Kur, allerdings sollte die Gabe auch nicht übertrieben werden. Auch die Bakterien haben sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt und einige haben Antibiotika-Resistenzen entwickelt. Um die Ausbildung weiterer Resistenzen zu verhindern, werden einem Patienten, der dringend immer wieder Antibiotika benötigt, am besten auch unterschiedliche Präparate verordnet.

Trotz diesen unangenehmen Begleiterscheinungen steht fest: Diese Entdeckung hat die Lebenserwartung der Menschen verlängert und unsere Lebensqualität verbessert. Infektionen, die früher gefürchtet waren, da sie auch tödlich enden konnten, können heute mit der einfachen Einnahme von Tabletten geheilt werden. Daher zählen Antibiotika für uns zu den medizinischen Wundern.

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