Von der Röntgenstrahlung zum CT – Medizinische Wunder (4)

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07 Okt Von der Röntgenstrahlung zum CT – Medizinische Wunder (4)

Einst nur durch Zufall entdeckt, ist sie heute aus der medizinischen Diagnostik nicht mehr wegzudenken: die Röntgenstrahlung. Im 4. Teil unserer Serie stellen wir Ihnen Wilhelm C. Röntgen, den genialen Kopf hinter der bahnbrechenden Entdeckung, vor.

Die Geschichte des Wilhelm C. Röntgen

Wilhelm Conrad Röntgen wurde 1845 in Deutschland geboren. Schon in seiner Schulzeit, die er in den Niederlanden verbrachte,  zählte er zu den Begabtesten. Eines Tages fand der Klassenlehrer bei dem jungen Röntgen eine Karikatur seiner Person, woraufhin der Junge wurde der Schule verwiesen. Allerdings hatte Wilhelm Röntgen mit dieser Zeichnung gar nichts zu tun: Ein Klassenkamerad hatte ihn beschuldigt, um sich selbst zu entlasten.

Ohne Abitur schien es damals schier unmöglich, einen Studienplatz zu bekommen. Glück hatte er allerdings an der technischen Hochschule in Zürich, um Maschinenbau und Physik zu studieren. In Zürich kam es weniger auf das Abitur, dafür umso mehr auf die Aufnahmeprüfung an – aufgrund seiner herausragenden Schulnoten, die ihm bereits den Studienplatz sicherten, musste er jedoch nicht einmal die Aufnahmeprüfung ablegen. Sein fehlendes Abitur war ihm im weiteren Verlauf seiner Karriere noch des Öfteren ein Hindernis, dank seinem Ehrgeiz und seiner Begabung ließ er sich davon aber nie aufhalten. Nach seinem erfolgreichen Abschluss arbeitete und forschte er an unterschiedlichsten Universitäten, bis er schließlich 1894, ein Jahr vor seiner bahnbrechenden Entdeckung, an der Uni Würzburg zum Rektor ernannt wurde.

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Die Computertomographie, die sich der Röntgenstrahlung bedient, kann mittels Schichtbildern ein dreidimensionales Bild erzeugen.

Zusammenspiel von Zufall und Genie

Es war der 8. November 1895, als das Schicksal Röntgen auf etwas stoßen ließ, was ihn fortan nicht mehr loslassen sollte. Beim Experimentieren mit Kathodenstrahlröhren, in welchen er die Elektrizitätsleistung von Gasen erforschte, fiel ihm auf, dass trotz verdunkeltem Labor und Pappummantelung der Röhre eine mit Kristallen beschichtete Platte auf seinem Schreibtisch zu fluoreszieren begann. Es verblüffte ihn, dass die für das Auge unsichtbaren Strahlen in der Röhre scheinbar die Pappe durchleuchten konnten, und so startete er zahlreiche Experimente, um herauszufinden, was diese Strahlen noch alles durchdringen konnten. Röntgen durchleuchtete buchstäblich alles, was ihm in die Finger geriet – so auch die Hand seiner Frau Bertha Röntgen. Das Bild der Hand seiner Frau sollte als das weltweit erste Röntgenbild in die Geschichte eingehen.

Nachdem er damals noch nicht genau wusste, welcher Natur diese unbekannten Strahlen waren, die Materien unterschiedlichster Dichte durchdringen konnten, nannte er sie „X-Strahlen“. Im englischen Sprachraum ist der Begriff „X-Ray“ so auch heute noch gängig.

Die Wochen darauf vertiefte Röntgen sich mehr in seine Arbeit als je zuvor. Nicht einmal seine Frau Bertha bekam in dieser Zeit ihren ohnehin schon schüchternen und introvertierten Ehemann besonders oft zu sehen. Zu groß war sein Interesse an seiner neuesten Entdeckung. Innerhalb weniger Wochen hatte er die Strahlen bereits so genau untersucht und beschrieben, dass schon ein Jahr nach der Publikation seiner Ergebnisse die Röntgenstrahlung als Diagnosemöglichkeit angewandt werden konnte.

Nobelpreis für Röntgens X-Strahlen

Bei einem Vortrag vor hochrangigen Medizinern machte Röntgen eine Röntgenaufnahme von der Hand des damals hochgeschätzten Mediziners Rudolph Albert von Kölliker. Dieser war von der Innovation Röntgens so begeistert, dass er vorschlug, die Strahlen nach ihrem Entdeckers zu benennen. Röntgen selbst betonte zeit seines Lebens, ihm wäre der Name X-Strahlen deutlich lieber. Es war ihm unangenehm, im Rampenlicht zu stehen.

Als er am 10. Dezember 1901 den Nobelpreis für Physik erhielt, lehnte er den Wunsch des Gremiums ab, eine Rede zu halten. Er verabscheute jegliche Form der Selbstdarstellung und spendete sogar sein Preisgeld der Universität Würzburg, an der er forschte. Seine Entdeckung wollte er sich auch nicht patentieren lassen. Laut seiner Aussage sollten die Röntgenstrahlen der Allgemeinheit dienen und für alle zugänglich sein. Weder Patente noch Lizenzen sollten dem im Wege stehen.

Computertomograph HANSA Privatklinikum

Ein Computertomograph in unserem HANSA Privatklinikum Graz

Aus Röntgengerät wird Computertomograph

Im Laufe der Zeit konnte die Strahlenbelastung beim Einsatz des Röntgengeräts immer mehr reduziert werden. Als einzigartige Möglichkeit einer nicht invasiven Untersuchung wurde das Gerät jedoch stets gerne eingesetzt. Heutzutage kommt auch der Computertomograph (kurz CT genannt), die Weiterentwicklung des Röntgengeräts, immer öfter zum Einsatz. Mittels einzelner Schichtbilder ist der Computertomograph sogar dazu in der Lage, ein dreidimensionales Bild zu erzeugen. Doch nicht nur zur Diagnostik können Röntgenstrahlen nützlich sein – auch Tumore werden heutzutage mit ihnen bestrahlt.

Aus der heutigen medizinischen Diagnostik ist Röntgens Entdeckung nicht mehr wegzudenken. Für sein Lebenswerk gebühren Wilhelm Röntgen höchste Anerkennung und Respekt – selbst, wenn ihm persönlich jedes Lob sehr unangenehm gewesen wäre.

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