Die Entwicklung des Defibrillators – Medizinische Wunder (3)

30 Sep Die Entwicklung des Defibrillators – Medizinische Wunder (3)

Wenn andere Wiederbelebungsmaßnahmen an ihre Grenzen stoßen, kann der Defibrillator Leben retten. Im dritten Teil unserer Serie erfahren Sie, wie das kleine Gerät zu einem der wichtigsten in der Medizin wurde.

Kleiner Muskel mit großer Aufgabe

Das Herz ist das Kraftwerk des menschlichen Körpers. Unermüdlich sorgt es dafür, dass der Blutaustausch von sauerstoffreichem und sauerstoffarmen Blut reibungslos funktioniert. Im Normalzustand verzeichnet das menschliche Herz etwa 60 bis 80 Schläge pro Minute. Ist man nervös oder aufgeregt, schlägt es schneller. Mit zunehmendem Alter steigt jedoch die Wahrscheinlichkeit für krankhafte Herzrhythmusstörungen an. Dabei kann entweder die Häufigkeit der Schläge zu hoch beziehungsweise zu niedrig sein oder aber es liegt eine Störung der Regelmäßigkeit des Herzschlags vor.

Wenn zusätzliche, unerwünschte elektrische Impulse im Bereich der Herzkammern auftreten, spricht man von Kammerflimmern. Durch chaotische Impulse schlägt das Herz über 300-mal in der Minute – was mit einem Kurzschluss vergleichbar ist. Der eigentliche Zweck der Herzkontraktionen ist es, den Körper mit Blut zu versorgen, bei derartig vielen Herzschlägen kann dies jedoch nicht mehr ausreichend stattfinden. Der betroffene Patient kann innerhalb kürzester Zeit das Bewusstsein verlieren. Dann ist schnelles Handeln gefragt, es besteht die Gefahr des plötzlichen Herztods: Die beste Wahl ist der Einsatz eines Defibrillators (kurz „Defi“ genannt). Durch das Gerät bekommt das Herz einen Stromstoß, der den normalen Rhythmus wiederherstellen soll.

defibrillator

Moderne automatisierte Defibrillatoren geben exakte Anweisungen, wodurch sie auch jeder medizinische Laie problemlos anwenden kann.

Die Geschichte des Defibrillators

Bereits im Jahre 40 n. Chr. führte der römische Arzt Scribonius Largus erfolgreiche Behandlungen an seinen Patienten durch – mit dem Strom von Zitteraalen und -rochen. Im weiteren Verlauf der Geschichte verzeichneten immer wieder Ärzte und Wissenschafter Erfolge bei der Anwendung von elektrischen Impulsen am Menschen. Aus dem 18. Jahrhundert ist etwa ein Fall bekannt, bei dem ein Kleinkind durch Stromstöße wiederbelebt werden konnte. Dies gelang dank dem Einsatz der Leidener Flasche, die aufgrund enthaltener Metallteile in der Lage war, elektrische Stromschläge abzugeben.

Mit Ende des 19. Jahrhunderts wurde die positive Wirkung von Elektrizität an Tierherzen erforscht. Maßgeblich daran beteiligt waren Prof. Mirowski und Dr. Mower, die den ersten Defibrillator entwickelten, der sich in den Körper implantieren ließ. Das Konzept des damaligen Gerätes ist dem heutigen nicht unähnlich. Der ICD (implantierbarer cardioverter Defibrillator) überwacht dabei ständig den Herzrhythmus und gibt, sobald notwendig, elektrische Impulse ab, um lebensgefährliches Herzrasen zu stoppen. 1980 konnte das erste Mal ein automatischer Defibrillator erfolgreich in einen menschlichen Körper transplantiert werden.

Bis der Defibrillator zu dem Gerät wurde, das wir heute kennen, forschten viele schlaue Köpfe an der korrekten Nutzung der Elektrizität zur Stabilisation des Herzrhythmuses. Von großer Bedeutung sind dabei die Forschungen des Elektroingenieurs William B. Kouwenhaven, der einen Defibrillator zur Verwendung bei geschlossenem Brustkorb entwickelte.

Defibrillator Piktogramm

Seit den 1990er Jahren befinden sich auch in allen öffentlich zugänglichen Gebäuden AEDs (Automatisierte externe Defibrillatoren). Dieses Symbol macht Sie weltweit auf das Vorhandensein eines Defibrillators aufmerksam.

Defi verwenden, Leben retten

Stationäre Geräte findet man heute auf Intensiv- und Notfallstationen aller Krankenhäuser sowie in Rettungsfahrzeugen. Durch die manuellen Geräte können auch EKG-, Blutdruck- und Sauerstoffsättigungsmessungen gleichzeitig durchgeführt werden. Seit den 1990er Jahren gibt es außerdem automatisierte externe Defibrillatoren in öffentlich zugänglichen Gebäuden wie Bahnhöfen, Flughäfen oder Schulen. Deren Bedienung ist auch durch den medizinischen Laien möglich, da das Gerät dem Anwender akustische Anweisungen gibt. Einmal angeschlossen, misst es die Herzfrequenz und entscheidet selbständig darüber, wann es einen Stromstoß abgibt.

Der Defibrillator ist ein wahres Wunderwerk der Medizin. Das Gerät nutzt das physikalische Phänomen der Elektrizität, um Leben zu retten.

No Comments

Post A Comment