Gendermedizin: Frauen und Männer sind nicht gleich!

Gender Medizin - Privatklinikum Hansa in Graz

27 Jan Gendermedizin: Frauen und Männer sind nicht gleich!

Haben Sie sich schon einmal gefragt, was die Erkenntnis „Frauen sind von der Venus, Männer vom Mars“ in Hinblick auf Ihre Gesundheit bedeutet? Die Gendermedizin gibt die Antworten.

Gender und Gesundheit

Eigentlich ist es ja einleuchtend, dass da nicht alles gleich sein kann: Männer und Frauen unterscheiden sich in ihrem genetischen Material – während Frauen zwei X Chromosomen besitzen, sind es beim Mann ein X und ein Y-Chromosom. Dieser Unterschied gilt für jede einzelne der Billionen von Zellen, somit ist es auch nicht verwunderlich, dass der weibliche Organismus auf biochemischer Ebene anders funktioniert als der männliche. In der Medizin wird bisher noch zu wenig darauf eingegangen. So werden Medikamente meist an jungen gesunden Männern getestet. Ein Grund dafür: Niemand will das Risiko auf sich nehmen, dass eine Frau währen eines Medikamententests schwanger wird. Die Folgen für das Kind sind unbekannt und potenziell mit einem (wenn auch geringen) Risiko behaftet.

Körperliches Empfinden unterschiedlich – schon bei der Raumtemperatur

Es beginnt schon bei der körperlichen Wahrnehmung der Umgebung. Zum Beispiel bei der Raumtemperatur. Hier tritt bei Frauen rascher ein unangenehmes Kältegefühl auf als bei Männern. Einer der Gründe liegt im Bereich, der wohl bei den Geschlechtern die größten Unterschiede aufweist: Im Hormonsystem. Das weibliche Geschlechtshormon Östrogen weitet die Blutgefäße, dadurch wird mehr Wärme an die Umgebung abgegeben. Fällt die Temperatur, drosselt der weibliche Körper deshalb die Durchblutung der Außenbereiche des Körpers, zu Gunsten der inneren Organe. Ohren, Nase, Füße und die gesamte Haut kühlen dadurch ab. Dem Gehirn wird allerdings auch eine Untertemperatur gemeldet: Kältegefühl macht sich breit. Prinzipiell reagiert der männliche Körper ebenfalls mit diesem System, bei Frauen sind aber bereits höhere Temperaturen der Auslöser. Ein weiterer Grund ist die etwas dickere Haut von Männern und der durchschnittlich höhere Muskelanteil, denn Muskeln sind wahre Wärmegeneratoren.

Herzinfarkt bei Frauen oft anders

Auch die Art und Weise, wie sich körperliche Beschwerden bei den Geschlechtern äußern, kann variieren. So ist die Wahrnehmung eines Herzinfarkts bei Frauen oft eine ganz andere als bei Männern. Während Männer Druck hinter dem Brustbein und einen in den Arm ausstrahlenden starken Schmerz verspüren, sind die Symptome bei Frauen andere: Oft kommt es einfach nur zu Übelkeit, Oberbauch – und Rückenschmerzen sowie Leistungsverlust. Es kann sogar vorkommen, dass aus diesem Grund ein Herzinfarkt übersehen wird. Einfach weil die behandelnde Person nicht daran denkt. Denn in Lehrbüchern wird tendenziell immer noch eher die männliche Variante der Beschwerden beschrieben.

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Beispiel Herzinfarkt:

Körperliche Beschwerden äußern sich bei den Geschlechtern unterschiedlich.

Männer: Druck hinter dem Brustbein und einen in den Arm ausstrahlenden starken Schmerz.

Frauen: Übelkeit, Oberbauch – und Rückenschmerzen sowie Leistungsverlust

 

 

Gendermedizin ist ein junges Feld

Die Disziplin, die die medizinischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern erforscht, ist die Gendermedizin. Sie versucht, die geschlechtsspezifischen Besonderheiten in Diagnose und Therapie herauszufinden und in die medizinische Lehre sowie in die klinischen Abläufe zu integrieren. In dieser Hinsicht ist die Gendermedizin Teil der personalisierten Medizin. Die Gendermedizin ist seit den 1990er Jahren ein Begriff. Eine der führenden Vorkämpferinnen ist die amerikanische Kardiologin und Medizinwissenschaftlerin Marianne Legato, die schon in den 1980er Jahren auf Unterschiede von Herzerkrankungen bei Frauen gegenüber Männern gestoßen war. Die Weltgesundheitsorganisation unterstützt bereits seit 1997 eine geschlechtsspezifische Betrachtung von Gesundheit und Erkrankungen (Gender Mainstreaming).

Gender Studies im Kommen

Bei der Entwicklung von Medikamenten wird also nicht immer Rücksicht genommen, ob der Stoffwechsel ein weiblicher oder männlicher ist. So kann die Enzymaktivität, die für den Abbau eines Medikamentes im Blut eine Rolle spielt, bei Frauen höher sein. Folglich müssen bei der Einnahme andere Dosierungen gewählt werden. Die Forschung mit ihren „Gender studies“ schreitet in diesen Bereichen unaufhaltsam voran: Immer mehr molekularbiologische Unterschiede werden gefunden und fließen in Zusammensetzung und Dosierung der Präparate ein. Dies ist eine der Errungenschaften der Gendermedizin, die am Ende auch Ihnen zugutekommen.

Frauen mit höherer Lebenserwartung

Unterschiede zwischen „Männlein“ und „Weiblein“ sind oft nicht nur genetische und somit biologische, sondern auch psychologische und soziologische. Demnach sind Frauen häufiger von Depressionen betroffen, Männer hingegen fallen öfter wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus. Unterschiede im Gesundheitsbewusstsein führen dazu, dass Frauen häufiger das Angebot der Vorsorgeuntersuchung in Anspruch nehmen. Somit werden Erkrankungen oft früher erkannt. Auch sind Ernährungsgewohnheiten und die Aufnahme von Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen unterschiedlich. Insgesamt ergeben all diese Faktoren einen Vorsprung bei Frauen in der Lebenserwartung: Sie liegt bei österreichischen Männern durchschnittlich bei 78,0 Jahren, bei Frauen hingegen bei 83,3 Jahren.

Hansa Privatklinikum berücksichtigt neue Erkenntnisse

Das dezidierte Ziel der Gendermedizin liegt in der optimalen Behandlung jedes Menschen, wobei das Geschlecht mit berücksichtigt wird. Die Gendermedizin ist eine noch junge Disziplin und die Zusammenhänge sind sehr komplex, daher stehen konkrete Änderungen im Alltag des Medizinsystems erst am Anfang, beginnen sich aber zu entwickeln. Im Hansa Privatklinikum werden die neuen Erkenntnisse aller medizinischen Fachgebiete genau beobachtet und so früh wie möglich in die Therapiepläne integriert, um Ihnen als Patientin und Patient die beste Versorgung bieten zu können.

 

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