Nobelpreis – Der bedeutendste Wissenschaftspreis

09 Dez Nobelpreis – Der bedeutendste Wissenschaftspreis

Alle Jahre wieder werden im schwedischen Stockholm die Nobelpreise verliehen. Die auf den schwedischen Erfinder und Unternehmer Alfred Nobel zurückgehenden Preise prämieren herausragende Leistungen aus den unterschiedlichsten Bereichen der Wissenschaft. Darunter Physik, Chemie, Medizin und Literatur. Wir haben uns die mehr als hundertjährige Geschichte des prestigeträchtigsten Preises anlässlich der morgigen Preisverleihung angesehen.

Zu verdanken haben wir den weltweit bekanntesten Preis seinem Namensgeber, Alfred Nobel. Der Industrielle verfügte in seinem Testament, dass sein bis zum Lebensende angehäuftes Vermögen für die Gründung einer Stiftung aufgewandt und dessen Zinsen zur Prämierung außergewöhnlicher Leistungen herangezogen werden sollten. Alfred Nobel schätzte den menschlichen Erfindergeist, war er doch selbst durch eine bahnbrechende, wenn auch teils verheerende Erfindung, zu Reichtum, Ruhm und Bekanntheit gelangt.
„als Preis denen zugeteilt werden, die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben“.

Eine Entdeckung von ungeheurem (Spreng-)Potential

Schon früh während seines Chemie- und Physikstudiums war Alfred Nobel, geboren am 21.10. 1833, von dem damals neu entdeckten Nitroglycerin fasziniert und suchte eine Möglichkeit den gefährlichen Stoff für eine gezielte Sprengung zu nützen. Der Legende nach wurde die Lösung für die sichere Handhabung des Stoffes, nur durch einen Zufall gefunden: Durch einen Zwischenfall bei einem Transport vermengte sich die Nitroglycerin-Lösung mit der Kieselgur Ladefläche. Der Schritt zur Herstellung eines handhabungssicheren Detonationssprengstoffes war gelungen. Der Dynamit getaufte Sprengstoff erlangte schnell Bekanntheit und bescherte Nobel sein Vermögen.
AlfredNobel_adjusted

Der Nobelpreis

Der kinderlose Nobel saß zum Zeitpunkt seines Todes auf einem Geldberg von rund 31,2 Millionen Kronen. Wohin also mit dem Reichtum? Er veranlasste am 27.11.1895 die Gründung einer Stiftung, der rund 94% seines Vermögens zukommen sollten. Die daraus resultierenden Zinsen sollten als Preisprämien genutzt werden, und zwar zu gleichen Teilen aus den Bereichen Physik, Chemie, Physiologie oder Medizin, Literatur und Frieden. Die Verleihung und Vergabe dieser jährlichen Preise lag Nobel zufolge in den Händen der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften – einzig allein der Friedensnobelpreis wird von einer speziellen Kommission des norwegischen Parlaments verliehen. Während die Nobelpreise zumeist Anfang Oktober bekanntgegeben werden, erfolgt die feierliche Übergabe am Todestag seines Namensgebers, dem 10. Dezember 2016. In Schweden gilt der Nobeltag als Feiertag – im Beisein des schwedischen Königs werden die Preise feierlich vergeben.
Nobelprize_Award_Ceremony_2010

Die Preisträger

Zu den ersten Preisträgern gehörte der deutsche Mediziner Emil von Behring, der 1901 erstmalig den Nobelpreis entgegen nehmen durfte. Auch Conrad Wilhelm Röntgen zählte zu den ersten Gewinnern – er wurde für die Entdeckung der gleichnamigen Strahlung ausgezeichnet. Seit seiner Gründung wurden 833 Nobelpreise in den 5 von Nobel angedachten Kategorien vergeben. 1986 wurden selbige noch um einen Preis „für Wirtschaftswissenschaften der Schwedischen Reichsbank im Gedenken an Alfred Nobel“ ergänzt.

Medizin-Preisträger 2016

Heuer setzte sich der japanische Wissenschafter Yoshinori Ohsumi gegen 273 Konkurrenten durch und darf für die Entdeckung des Autophagie-Mechanismus den Preis entgegennehmen. Dabei handelt es sich um einen lebensnotwendigen Zellmechanismus, der die Abbau- und Recyclingprozesse in den Zellen beschreibt. So werden beschädigte oder funktionslose Zellen automatisch von anderen Zellverbunden verdaut und somit aus dem Verkehr gezogen. Die Zell-Müllabfuhr arbeitet in diesen Fällen aber so effektiv, dass einzelne funktionierende Bestandteile weitergebraucht werden, ähnlich einer Wiederverwertungsanlage.
Würden die Zellen nicht über diese Funktion verfügen, so käme es unweigerlich zu einem Müllchaos innerhalb unseres Zellsystems. Mehr noch: Gerade hinsichtlich der Abwehr von Viren oder Bakterien, aber auch für den Alterungsprozess und der Entstehung von Infektionen und Tumoren, spielt die Zell-Autophagie eine bedeutende Rolle, die Ohsumi im Rahmen seiner Forschungen beschrieben hat. Erstmalig zeigen der japanische Forscher und sein Team diese komplexen Mechanismen und Prozesse auf, die hinter der Zellorganisation und Wiederverwertung ablaufen.
Interessante Notiz am Rande: Yoshinori Ohsumi musste mehr als 20 Jahre warten bis er und seine Forschung die Würdigung in Form des Nobelpreises erhalten haben. Und dabei befindet er sich in bester Gesellschaft, denn durchschnittlich werden gerade die wissenschaftlich-relevanten Kategoriepreise mit erheblichen Verzögerungen zwischen der Entdeckung und der Prämierung verliehen.
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